Alltag im neuen BRK-Pflegeheim in Gilching

Gilching – Der Umzug der 54 Bewohner des Pflegeheims an der Rosenstraße ins neue BRK-Haus der Andechser Straße war innerhalb von drei Tagen erledigt. Nach einem Monat Eingewöhnung ist nun der Alltag eingekehrt, sagt Pflegedienstleiterin Kathrin Schuster. Sowohl Mitarbeiter wie auch Bewohner sind begeistert vom neuen Konzept.

Ziel des Bayerischen Roten Kreuzes ist, dass Pflegeheime künftig nur noch nach dem so genannten Hausgemeinschaftskonzept geführt werden. Im Landkreis Starnberg dient die Gilchinger Einrichtung als Pilotprojekt. Wie berichtet, gibt es im neu eröffneten Gebäude gegenüber von Betreutem Wohnen fünf Hausgemeinschaften mit je 13 Personen. Federführend ist pro „Familie“ eine Präsenzkraft eingesetzt, die gemeinsam mit den Bewohnern, kocht, spielt, ratscht und auch für kleinere Probleme zuständig ist. „So, wie in einer Familie auch, werden anfallende Tätigkeiten je nach Eignung gemeinsam, jedoch auf freiwilliger Basis erledigt“, erklärt Kathrin Schuster. „Oberstes Ziel ist ein Stück normales Leben auch im Alter. Stand früher die Pflege im Vordergrund, sind es heute die alltäglichen Wünsche.“ Anfangs etwas ungewohnt habe sich das Prinzip bereits nach kürzester Zeit schon bewährt, freut sich Schuster. „Unsere Bewohner waren ja an ihr Umfeld an der Rosenstraße gewöhnt. Im alten Haus blieben sie oft den ganzen Tag über auf ihren Zimmern. Selbst das Essen wollten sie dort einnehmen. Hier im neuen Gebäude bleibt keiner mehr zurück. Sie freuen sich vielmehr, sich in der geräumigen Wohnküche mit den anderen zu treffen, weil sich dort auch das Leben abspielt.“ Zwei der fünf Hausgemeinschaften sind für Demenz erkrankte Menschen reserviert. „Die ersten Wochen hatten wir damit zu tun, Pläne zu machen und wieder umzuschreiben. Es ging darum, wer neben wem sitzen oder eine Zweizimmerwohnung mit wem teilen will und wer sich mit wem nicht verträgt.  Demenzkranke Menschen sind da ja besonders empfindlich“, weiß Schuster. „Das Optimum ist zwar noch nicht erreicht, wir sind aber auf dem besten Wege dorthin.“ Die Pflegedienstleiterin lud auch zur Freude der Bewohner zu einem ersten Rundgang ein. Josefine B. aus einer Hausgemeinschaft mit demenzkranken Menschen ist bereits angekommen und zeigt sich begeistert.  Auch wenn es noch das eine oder andere zu klären gebe, meint die ehemalige Bankangestellte. Geschätzt ist Josefine B. um die 80 Jahre alt. Doch auf die Frage, wie alt sie denn sei, kommt sofort die Antwort: „Nächste Woche werde ich 59.“ Im Übrigen habe sie viel zu tun, sagt sie. Sie lädt außerdem zu einem Besuch in ihr gemütliches Zimmer ein. Hell und freundlich ist es, die Wände gespickt mit Fotos von der eigenen Hochzeit und von Familienmitgliedern. „Das sind meine Kinder und meine Enkel“, erzählt Josefine B. Obwohl innerhalb des Stockwerkes alles frei zugänglich ist, gibt es dennoch ein zwar dezentes doch hundertprozentiges Sicherheitssystem. Verhindert werden soll, dass sich ein an Demenz erkrankter Bewohner unbemerkt aus dem Staub macht. Alle übrigen Etagen und Räumlichkeiten sind, wie in einem Privathaus auch, offen und Besucher erwünscht. Bei Rundgang mit dabei war auch Klaus Hascher, Filialleiter der Kreissparkasse in Gilching. Sein Unternehmen hatte 4000 Euro für eine so genannte Aufstehhilfe für gehbehinderte Menschen plus Rollstuhlwaage gespendet. „Auch im Zeitalter der Globalisierung gibt es für uns als Sparkasse die Verpflichtung, soziale Projekte am Ort zu unterstützen. Und wenn man dieses neue Haus und die zufriedenen Bewohner sieht, weiß man, dass die Spende gut angekommen ist“, betonte Hascher. Uli Singer