Regierung lenkt ein - Container kommen an die Land

Gilching (18. Juni 2016) – Aufatmen in der Gemeinde Gilching. Anlass ist die überraschende Kehrtwendung der Regierung von Oberbayern. Nachdem der Gemeinderat den Standort Weßling für die Unterbringung von Asylbewerbern abgelehnt hat, soll schnellstmöglich die Traglufthalle am Festplatz entfernt und eine Container-Anlage für 192 Asylbewerber an der Landsberger Straße gebaut werden.

„Ich hätte nie für möglich gehalten, dass die Regierung von Oberbayern einlenkt“, sagte Bürgermeister Manfred Walter auf Anfrage. Er habe zwar aus humanitären Gründen und weil er Landrat Karl Roth nicht im Regen stehen lassen wollte, im Gemeinderat mit weiteren neun Räten für die Alternative Weßlinger gestimmt. „Ich bin aber froh, dass es nicht so kommen wird.“ Eine Sammel-Unterkunft am Ortsrand von Gilching, dass wäre die denkbar schlechtere Lösung gewesen, räumt Walter ein. Parteikollege Christian Winklmeier (SPD) war es, der in der jüngsten Ratssitzung Antrag stellte, die Weßlinger Straße abzulehnen und anstelle eines „vorauseilenden Gehorsames“ den Freistaat an seine Verantwortung zu erinnern. Immerhin wurde bereits für ein großflächiges Areal innerhalb der Straßenmeisterei an der Landsberger Straße, das im Besitz des Freistaates ist, für die strittige Container-Anlage eine Baugenehmigung erteilt. Es wurden auch schon Bäume gefällt und auch diverse Rodungsarbeiten vorgenommen, doch plötzlich hieß es, wegen fehlender Rentabilität werde das Projekt gecancelt. Was die Kehrtwendung veranlasst hat, weiß Walter nicht. „Es hat sich aber gezeigt, dass man nicht immer gleich nachgeben soll. Was die Mehrheit des Gemeinderats auch so gesehen hat.“ Bekanntlich wurde die Weßlinger Straße mit 10 zu 12 abgelehnt. Doch auch die Kommune musste einlenken. Ursprünglich war vereinbart, dass die Container längstens sechs Jahre stehen bleiben dürfen. Auf dem strittigen Areal soll im Zuge der Bebauung der Gilchinger Glatze die so genannte Senke entstehen. Die Fläche war auch Voraussetzung für die Bewerbung der Kleinen Landesgartenschau 2024, für die sich die Gemeinde bewerben wollte. „Nachdem nun die Container bis zum Jahr 2023 stehen bleiben sollen, müssen wir das Thema Landesgartenschau vorerst auf Eis legen. Dann bewerben wir uns halt vier Jahre später. Ich bezweifle sowieso, ob wir bei den vielen Projekten, die anstehen, es bis in acht Jahren geschafft hätten, auch noch die Landesgartenschau zu stemmen. Wichtig ist, dass der Staat nun endlich seiner Verantwortung nachkommt.“ Winklmeier wiederum sieht sich bestärkt. „Es hat sich hier gezeigt, dass man nicht immer gleich Ja und Amen sagen muss. Ich hoffe nur, dass sich der Freistaat nun an seine Zusagen hält. Dass die Container-Anlage kommt, glaube ich erst, wenn sie steht.“ Sowohl für die zu erwartenden Flüchtlinge wie auch für die zahlreichen Ehrenamtlichen sei der Standort Landsberger Straße ein Glücksfall. „Integration, wie es sich der Staat vorstellt, wäre an Weßlinger Straße nur schwer möglich gewesen wäre. Die Landsberger Straße aber liegt zentral, gegenüber finden bei der VHS die Sprachkurse statt, die S-Bahn ist nahe und auch die Einkaufsmöglichkeiten sind gut zu Fuß erreichbar.“

Zufrieden mit der Entscheidung zeigt sich auch Eva Ott, Sprecherin des Helferkreis Asyl. „Wir alle hätten zwar versucht, an der Weßlinger Straße gute Arbeit im Sinne der Integration zu leisten. Es wäre aber weit schwieriger geworden, als an der Landsberger Straße. Wenn man Integration will, dass müssen die oft durch die Flucht traumatisierten Menschen auch inmitten von uns leben. Nur so bekommen sie mit, wie man sich in Deutschland benimmt und wie man miteinander umgeht.“ Uli Singer