Roboter in der Pflege auf dem Vormarsch

Gilching (1. Juli) – Mehr als andere Bereiche ist die Pflegebranche vom demografischen Wandel betroffen. Während die Zahl der Pflegebedürftigen kontinuierlich steigt, entscheiden sich immer weniger Menschen dafür, einen Pflegeberuf zu ergreifen. Doris Paul wiederum ist Quereinsteigerin und liebt ihren Beruf über alles.

Ganz fremd war Doris Paul das Thema Pflege nicht, als sie mit 40 Jahren entschied, eine zweijährige Ausbildung zur Altenpflegerin zu absolvieren. „Ich bin gelernte Kinderpflegerin. Als meine eigenen Kinder kamen, war ich viele Jahre lang Hausfrau und Mutter“, erzählt die 56-Jährige. Doch irgendwann war die Zeit gekommen, dass sie zurück ins Berufsleben wollte. Bevor sie die Ausbildung begann, half sie als „Mädchen für alles“ bei der Nachbarschaftshilfe in Weßling aus. „Die Lebensschule ist eine gute Voraussetzung für den Pflegeberuf“, weiß Paul. 2002 machte sie den Abschluss. Nach Berufserfahrungen unter anderem auf einer Station für Demenzkranke in einem Altenheim bei Grafrath und in der ambulanten Pflege fing sie 2003 als Leiterin der Tagespflege beim Sozialdienst Gilching an. „Ich habe es nie bereut und würde es sofort wieder so machen“, betont Paul. „Man gibt nicht nur viel, man bekommt auch viel zurück.“

Die Tagespflege an der Andechser Straße hat von Montag bis Freitag und jeden zweiten Samstag im Monat ab 8.30 Uhr geöffnet. Die bis zu zehn Besucher werden gebracht, kommen selbst noch zu Fuß oder werden durch Mitarbeiter des Sozialdienstes abgeholt. Nach dem gemeinsamen Frühstück ist Ratschen, Singen, Spielen, Basteln, Zeitung lesen oder im angrenzenden Garten einfach nur Meditieren angesagt. „Jeder kann bei uns tun und lassen, wozu er Lust hat. Selbstverständlich motivieren wir unsere Gäste, üben aber keinerlei Druck aus. Großen Wert legen wir auf eine familiäre Atmosphäre“, erzählt Paul. Deshalb ist auch Mithilfe beim gemeinsamen Mittagessen erwünscht. „Das Essen kommt zwar tiefgefroren und wird nur noch aufgetaut. Doch kleine Gerichte wie Kartoffelpüree oder zur Nachspeise einen Obstsalat, das bereiten wir in Zusammenarbeit mit der Gruppe zu. Wir nennen es therapeutischen Kochen.“ Nachmittags gibt es dann Kaffee und selbstgebackene Kuchen. Das Alter der Besucher liegt zwischen 60 und 95 Jahren. Und während früher vorwiegend Frauen zur Tagespflege kamen, „ist heute der Anteil der Männer erfreulicherweise gestiegen“. Paul vermutet, dass mittlerweile weibliche Angehörige, die die Pflege des Vaters oder des Ehemannes übernommen haben, auch mal guten Gewissens ein paar Stunden durchschnaufen und für sich selbst etwas tun wollen. „Dies war früher undenkbar, weshalb nur Ehemänner die Tagespflege für ihre pflegebedürftigen Frauen in Anspruch nahmen.“ Paul zur Seite stehen derzeit zwei bis drei Praktikantinnen und eine hauswirtschaftliche Helferin

Dass sie mittlerweile zu einer aussterbenden Berufsgruppe gehört, weiß Paul. „In Japan werden bereits Roboter in der Alten- und Krankenpflege eingesetzt und bei uns wird dies auch irgendwann so kommen“, befürchtet die Zweifachmama und Dreifachgroßmutter. Die Gründe liegen auf der Hand. „Auf der einen Seite ist die Bezahlung für diesen verantwortungsvollen Beruf überschaubar. Andererseits macht uns die Bürokratie das Leben schwer. Dazu kommt, dass der Pflegeberuf allgemein keine große Wertschätzung genießt. Es gibt dafür einfach keine Lobby. Wenn ich nur halb so viel an Bürokram zu erledigen und diese Zeit für meine Besucher hätte, ich wäre der glücklichste Mensch aller Zeiten.“ Uli Singer